Von 0 auf 100 in gut 2 Jahren

 

 

Vielleicht sollte man einen Lauf nicht schon 2 Wochen vorm Start über den grünen Klee loben – aber wenn bei der finalen Durchführung des ersten Marathons in der Fahrradstadt Münster (Taufname: Volksbank-Münster-Marathon) alles auch nur annähernd so vorbildlich klappt, wie sich dieser Lauf schon im Vorfeld präsentiert, können sich Läufer und Zuschauer schon jetzt auf ein schönes Wochenende freuen.

 

Vorbildlich ist auch und vor allem der sehr gelungene Internetauftritt der Münsteraner. Was man dort an Informationen und Interaktivität vorfindet, davon kann sich so mancher große Marathon mit wahrscheinlich größerem Budget eine Scheibe abschneiden. Die meisten der hier verarbeiteten Informationen habe auch ich mir auf der Homepage zusammengesucht.

 

Vor gut 2 Jahren wurde unter heftigen Wehen die Idee zum Münster-Marathon geboren. Ein Jahr später hieß das Kommando schon „ab ins Detail“ und bereits im Juli 2001 stand die Strecke, war vermessen und wartet seitdem auf die 5.000 LäuferInnen, die sie am 08. September bewältigen wollen. Die ursprüngliche Planung des eifrigen und gut zusammenarbeitenden Teams um Orga-Chef Michael Brinkmann sah für das Debut 2.000 StarterInnen vor. Jetzt, gut 2 Wochen vor dem Tag X, ist der Marathon ausgebucht, 5.000 Startnummern sind vergeben, eine Warteliste eingerichtet – könnte ja sein, daß sich noch der Eine oder die Andere verletzungs- oder krankheitsbedingt abmelden muß. Eine Ummeldung ist also, gegen eine Verwaltungsgebühr von 15 Euro, noch möglich. Im November 2001 war schon 8% der heutigen Teilnehmerliste gefüllt, Ende April 2002 waren mit 1.950 Voranmeldungen bereits alle Erwartungen übertroffen – das war so in etwa die Zeit, zu der ich auch auf den Marathon aufmerksam wurde und mich anmeldete, was meine Startnummer 2199 belegt. Nicht nur, daß die angedachten 2.000 Erstlingsteilnehmer überschritten sind – in Münster laufen, und das ist wohl mehr als un- und außergewöhnlich, über 2.000 Marathondebutanten und –onkel mit, das sind immerhin 42% des Gesamtfeldes (au Backe.. da werde ich mich wohl sehr weit vorne in meinen Startblock einreihen).

 

Neben der üblichen Ausschreibung, Onlineanmeldung etc. hat die Homepage noch ein paar Highlights zu bieten. So kann man sich schon seit Wochen eine Fotoshow der Umgebung jedes einzelnen km-Punktes ansehen oder Michael Brinkmanns Marathonkolumne mit Infos, Tips und Ratschlägen aus der Tastatur des Fachmanns lesen.

 

Im Forum des Marathons ist auch der Teufel los. Anfänglich war ich ziemlich verdutzt, welche Fragen da so kommen – und von Stefan und Michael vom Orgateam mit Engelsgeduld beantwortet werden (gerne erinnere ich mich an die Diskussion, wo genau am Oberkörper des Läufers denn nun die Startnummer angebracht sein sollte). Nachdem ich mitbekam, wie viele Newbies auf der Strecke sind, war mir vieles klar. DER Brüller war für mich die Befürchtung einiger Läufer, sich auf dem Kopfsteinpflaster im Zieleinlauf einen Bänderriß zuzuziehen. Dann war da das Problem der Verpflegung an der Strecke. „Gibt’s denn auch Pfirsiche?“ wird da z.B. gefragt. Mir schoß nur „mal sehen, wann der Erste nach Kuchen, Lachsschnittchen und Champagner fragt“ durch den Kopf. Natürlich werden auch so übliche Läuferprobleme wie „der sich den Wolf läuft“ und „was tun bei blutenden Brustwarzen?“ diskutiert – Themen, die dem regelmäßigen Besucher von Helges Lauftrefforen hinreichend bekannt sind. Und so profitiert das Forum auch von der Erfahrung „alter“ Marathonhasen (ob man allerdings wirklich pro Tag 7 Liter Wasser zu sich nehmen muß im Vorfeld, wage ich doch stark zu bezweifeln) und das Team wird nach eigener Aussage auch ein bißchen entlastet durch solche Selbstläufer. Das angebotene Kontaktformular auf der Homepage wird wohl zusätzlich noch gut frequentiert mit vielen Fragen, die ebenfalls geduldig beantwortet werden. Schließlich besteht das Orgateam, dem (merkwürdigerweise?) nur eine Frau angehört, zu 9/12 aus erfahrenen Marathonis.

 

Ein Blick ins Rahmenprogramm entlang der Strecke läßt mich zweifeln, ob meine Entscheidung, in Münster wieder unter 4 h laufen zu wollen, die richtige war. Vielleicht sollte ich mir besser mehr Zeit nehmen und genießen, was da so angeboten wird, nämlich neben vielen Musik- und Tanzbands aus aller Herren Länder zum Beispiel eine Tina Turner Illusion Show im Zielbereich am Prinzipalmarkt (da ist den ganzen Morgen über Rambazamba), eine Spinnenshow (was um Himmels Willen ist DAS?) und eine Bauchtanzperfomance (ich liebe Bauchtanz und werde nichts davon mitbekommen)?! Aber nein, ich bleibe bei meiner Entscheidung, bei einem Zielschluß von (m.E. ziemlich knappen) 5 h könnte ich mir eh nicht alles so lange angucken, wie ich es vielleicht am Ende gerne täte J. Bei km 41 gibt’s für die Läufer eine kleine Weinprobe – vielleicht lauf’ ich ja nach dem Zieleinlauf zurück.... StreckenmoderatorInnen gibt’s 4 auf einen Streich, ich persönlich freue mich auf ein Wiedersehen mit dem Vääänmääään Jochen Heringhaus bei km 15 und 33. Und wer sich nicht an die Strecke stellen kann und/oder will, kann alles im weltweiten Wahnsinn über einige an der Strecke verteilte Webcams  und/oder im Radio bei Antenne Münster verfolgen. Sehr gespannt bin ich auch, welche Anfeuerungssprüche denn nun im ausgeschriebenen Wettbewerb der Westfälischen Nachrichten gewonnen haben – sie werden in einem Marathon-Extrablatt großformatig abgedruckt, damit sie an der Strecke hochgehalten werden können.

 

Für unser leibliches Wohl wird unterwegs reichlich gesorgt – getränkemäßig leider nur mit Wasser und Iso – da werde sicher nicht nur ich mir wohl mal verstärkt Gedanken um die Eigenversorgung machen müssen. Aber jedem Recht machen kann man’s eh nicht...

 

Die Auszeichnungen nach getaner Arbeit können sich auch sehen lassen: für jeden Finisher gibt’s eine Medaille (ganz wichtig!) und ein Angeber- ääääh.. Finishershirt (juchhu – endlich mein erstes richtiges Marathonfinishershirt), zur Urkunde bekommen alle noch eine Video-CD zum Lauf – ein nettes Andenken, auf das ich mich auch schon besonders freue.

 

Mir bleibt jetzt nur noch, die letzten 2 Wochen anständig tapering zu betreiben und am Marathontag nicht läuferisch im Dunkeln zu tappern. Wie geschrieben, werde ich mich mit Startnummer 2199 und wie immer im passtschon98-Trikot auf der Strecke rumtreiben – so Petrus sich einmal mehr zu seinem Läufertum bekennt und mich nicht zwingt eine Regenjacke drüberzuziehen (aber: bittebitte, lieber Petrus – lieber Regen, als 25°C oder mehr!)

 

Bis zum 08. September!

für laufreport.de im August 2002