Wer schon mal die A5 zwischen Darmstadt und Frankfurt hoch- oder runtergefahren ist, weiß auch, wo Griesheim liegt. Die Stadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg wird fälschlicherweise oft als Stadtteil von Darmstadt verkannt. Dabei wurde die 25.000-Einwohner-Stadt schon 1165 erstmals urkundlich erwähnt und hat schon seit 1965 Stadtrechte. Einer der 70 Vereine in der Stadt ist der Turn- und Sportverein mit seinen ganzen Abteilungen – und die Leichtathletikabteilung, die sich selbst als kompetenter Partner rund ums Laufen bezeichnet, richtet jedes Jahr 2 Volks- und Straßenläufe aus.

 

Einer davon hat seit Jahren ein festes und leicht zu merkendes Datum: der Tag der Einheit wird für viele LäuferInnen überwiegend aus dem Großraum Rhein-Main alljährlich zum Tag der Feiertagslaufeinheit. Bereits zum 33. Mal wurden dieses Jahr der Internationale Halbmarathon mit 10 km-Lauf durchgeführt – Erfahrung haben sie also genug, die Griesheimer.

 

Die Startzeit ist sehr feiertagsfreundlich, um 10.25 h gehen die 10 km-Läufer an den Start, 10 min später laufen die Halbmarathonis los. Und auch dieses Jahr zeigten sich die Wettergötter sehr läuferfreundlich: hatte es am frühen Morgen noch nach Unwettern ausgesehen und auch mal kurz geregnet, kam gegen Ende der Veranstaltung sogar die Sonne raus, die Temperaturen bewegten sich zwischen 14 und 19 Grad. Es dürfte einer der letzten Lauf-Tage des Jahres gewesen sein, an dem man so gut wie keine langen Kleidungsstücke sah, fast alle liefen noch ein (letztes?) Mal kurz-kurz.

 

Wer schon in Griesheim war, weiß: dies ist eine Veranstaltung der langen Wege. Wettkampfzentrum ist die Gerhard-Hauptmann-Schule. Hier holt man in der Aula die Startnummern ab, hier kann geduscht werden und hinter der Schule befindet sich das Ziel – und der Start für den Halbmarathon. Die Kurzstreckler starten auf den anderen Seite der Schule, einige 100 m entfernt an der Hauptstraße. Die Siegerehrung findet dann allerdings, nur per Auto oder Rad erreichbar, in der Hegelsberghalle statt. Leider kommen wohl auch aus diesem Grund sehr viele nicht mehr zur Siegerehrung, die eigentlich anwesend sein sollten. Aber wer erst einmal im Auto sitzt.... Die TuS hätte selbst gerne kürzere Wege, das ist aber derzeit nicht realisierbar: Die Turnhalle der Schule darf wegen eines Spezialbodens nicht bestuhlt werden, Aula und Klassenzimmer sind zu klein für Siegerehrung und das Drumherum. Die Hegelsberghalle hat zu wenig Duschmöglichkeiten und um de Halle herum läßt sich keine vernünftige Strecke bauen.

 

Die vermessene Strecke, die seit Jahren zu laufen ist, ist flach und über die Grenzen des Rhein-Main-Gebietes hinaus als schnell bekannt, viele wollen hier zum Saisonausklang noch mal Zeichen setzen und die Latte hoch legen für die Saison des kommenden Jahres. Die Halbmarathonstrecke geht über 4 Runden, wobei die erste etwas länger ist, danach werden drei identische Runden à ca. 4,5 km gelaufen. Die erste Runde ist denn auch die schönste. Man wird durch Felder vor Griesheim geleitet und man kann neben Dahlien und Sonnenblumen auch noch diverse Salat- und Gemüsesorten bewundern, die dort in voller Pracht auf die Ernte warteten. Da läuft so manchem sicher direkt das Wasser im Mund zusammen. Kurz vor km 4 trifft man auf die etwas langsameren 10 km-Läufer, die sich nur auf der 3x zu laufenden kürzeren Runde des Halbmarathons bewegen. Die „normale“ Runde führt durch Wohngebiete von Griesheim und auf einem Stück Bundesstraße von einen Ortsende zum anderen. Die gesamte Strecke ist komplett asphaltiert, die höchsten Erhebungen sind die Bordsteinkanten, über die man muß, wenn man Kurven schneiden möchte. Eine Wasserstelle sorgt dafür, daß niemand dehydriert ins Ziel kommen muß – auch bei höheren Temperaturen reicht eine Verpflegungsstelle alle 4,5 km sicherlich aus.

 

Durch die unterschiedlichen Startzeiten und die relativ kurzen Runden kommt es immer wieder zu Überrundungen (vor allem auch der Kurz- durch die Langstreckler), was aber auf den breiten Straßen keinerlei Streß mit sich bringt – im Gegenteil, eher macht das den Lauf noch ein bißchen lebendiger und unterhaltsamer.

 

Die fetten Jahre sind in Bezug auf Sponsorengelder in Anbetracht der allgemein maroden Wirtschaftslage vorbei und auch deshalb werden keine Antrittsgelder gezahlt, der Veranstalter legt mehr Wert auf „die Breite“ der Veranstaltung, selbst die Preisgelder mußten reduziert werden (1. Platz 250 EUR, 2. Platz 150 EUR, 3. Platz 100 EUR, 4. Platz 50 EUR, identisch für Männer und Frauen). Und so kommt es, daß die Kenianer, die früher die Start- und Zielfotos beherrschten, inzwischen ausbleiben. So wurden die jetzt schon 9 Jahre alten Streckenrekorde von Joyce Chepchumba (1:11:55 h) und Simon Lopuyet (1:01:57 h) auch 2003 nicht angetastet. Über 10 km sind die Streckenrekorde noch nicht ganz so alt und auch unkenianischer Verursachung, aber nichtsdestotrotz mit 30:11 und 34:52 min in weiter Ferne dessen, was im Moment in Darmstadt gelaufen wird.

 

Über 10 km kamen dieses Jahr 330 ins Ziel. Der Schnellste war der Äthiopier Gamachu Roba, der im benachbarten Darmstadt wohnt, für den ASC Darmstadt startet und unter den Fittichen von Wilfried Raatz trainiert. Für Roba war der 10er ein letzter Härtetest für den eine Woche später stattfindenden München-Marathon (und auch den gewann er mit einer Zeit von 2:19 h). In Griesheim brauchte er 31:26 min und lag damit 29 sec. vor seinem Verfolger. Sebastian Dehmer ist, wie Roba, Jahrgang 1982 und startet für den ausrichtenden Verein TuS Griesheim, allerdings für die Triathlon-Abteilung. Dritter im Bunde auf dem Treppchen war ebenfalls ein Darmstädter und 10 Jahre älter als seine Vorläufer: ASCler Tobias van Ghemen brauchte 33:01 min und war mit dieser Zeit sehr zufrieden, wollte er sich doch auf die ebenfalls in der kommenden Woche stattfindenden Halbmarathon-Hessenmeisterschaften in Bad Hersfeld konzentrieren.

 

Noch deutlicher fiel das Ergebnis bei den Frauen aus: Vera Martens aus Flörsheim, die für den TV Waldstraße Wiesbaden startet, gewann in 37:25 min in neuer persönlicher Bestzeit. Ihr folgten 2 Martinas: Martina Groß vom MTV Kronberg lief in 38:47 min auf Platz 2 und Martina Franke von der LG Eintracht Frankfurt brauchte 40:03 min, um sich Platz 3 zu erlaufen.

 

Auf der Halbmarathonstrecke zählte man 540 Finisher – gut 200 weniger als im letzten Jahr. Als Erster lief Oliver Dietz nach sehr guten 1:04:47 h ins Ziel. Der Unterfranke, der für die LG Braunschweig startet, zeigte sich denn auch sehr zufrieden mit dieser neuen persönlichen Bestzeit, seine alte lag rund eine Minute über der Griesheimer Marke. Vielleicht wäre ja sogar noch ein bißchen mehr drin gewesen, hätte Dietz nicht ab km 12 ein einsames  Rennen laufen müssen. Da schüttelte er nämlich seinen 5 Jahr jüngeren Konkurrenten Terefe Desaleng von der LG Eintracht Frankfurt ab, der letztlich 1:05:28 min brauchte. Dritter wurde, wie auch schon im Vorjahr, Erik Haß vom SV Vorwärts Zwickau. Der Sachse reiste extra für dieses Rennen mit seinem Trainer nach Hessen.

 

Die Siegerin ist im Rhein-Main-Gebiet keine Unbekannte: Veronika Ulrich (ehemals Badnjar) hat nach der Babypause längst wieder an ihre alte Form angeknüpft und nach einem Sieg über 10 km in 34 min am Wochenende zuvor reichten ihr in Griesheim 1:20:08 h zum obersten Treppchenplatz. Auch die zweitschnellste Halbmarathon-Frau hatte eine weite Anreise auf sich genommen, um die schnelle Griesheimer Strecke zu testen: Kerstin Brünig kommt aus Hannover, hatte sich in aller Herrgottsfrühe zu einem Bekannten ins Auto gesetzt, um rechtzeitig zum Start zu kommen. Für sie hat es sich gelohnt, 1:24:11 h sind ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann und zufrieden begab Kerstin sich direkt im Anschluß an die Siegerehrung wieder auf die A5 Richtung Norden. Dritte wurde nach einem relativ verhaltenen Rennen Regina Blatz aus Steinau. Die für den LT Wallernhausen startende 7fache Mutter bereitete sich auf den Frankfurt-Marathon vor und hängte an den Halbmarathon, den sie in 1:32:46 h beendete, noch 10 Auslauf-Kilometer an, um ihren letzten langen Vorbereitungslauf zu absolvieren.

 

Bemerkenswert sind einmal mehr einige LäuferInnen aus der Liste „älteste TeilnehmerInnen“: der 80jährige Friedrich Kuhlmann erreichte das 10 km-Ziel nach 1:09:41 h. Herbert Gulla von der LG Stadt Hattersheim ist 66 und brauchte für dieselbe Strecke nur 44:19 min. Am Sonntag zuvor lief er in Berlin noch den Marathon in 3:27 h. Günter Schulz ist 73 Jahre alt – und brauchte nur 1:49:45 h für den Halbmarathon. Die 63jährige Hannelore Kirchem vom TSV Eschollbrücken lief gar als vierte Frau überhaupt nach 1:37:41 h ins Ziel über 21,1 km. Die älteste Frau auf der 10 km-Strecke war Helga Schumacher von Spiridon Frankfurt, die als 65jährige mit 53:03 min noch insgesamt 87 Leutchen hinter sich ließ

 

In der Hegelsberghalle wurde dann bei leckerem Kuchen, belegten Brötchen und diversen Getränken gefachsimpelt. Neben der normalen Siegerehrung gibt’s in Griesheim auch noch eine Tombola, so daß nicht nur die Schnellsten sondern auch noch andere Glückliche den einen oder anderen Sachpreis mit nach Hause nehmen konnten.