Der Tag der langen Laufeinheit

Petrus meinte es heute gut mit den Griesheimern. Wurde es morgens immer dunkler, je mehr man sich Darmstadt näherte, so wurde es im Laufe des Vormittags immer heller, am Ende des 33. Griesheimer Straßenlaufs schien dann sogar die Sonne und es wurde sogar noch richtig schön spätsommerlich muggelig warm. Und wieder haben wir einen Lauf geschafft, zu dem die langen Klamotten noch im Schrank bleiben konnten..

 

Die Startzeit ist in Darmstadt sehr feiertagsfreundlich. Um 10.25 h werden die 10 km-Läufer auf die Strecke geschickt und 10 min später die Halbmarathonis. Nach dem Startnummernausgabechaos des Vorjahres hatte man heute ein paar Ausgabestellen mehr eingerichtet und die T-Shirts für die Voranmelder wurden draußen im Schulhof verteilt, so daß sich diesmal keine Schlangen bis vor die Tür bildeten. Ein mobiler Getränkewagen verkaufte schon früh Kaffee und Kuchen für die mitangereisten Zuschauer, so daß auch diese einen Rundum-Sorglos-Feiertag verleben konnten.

 

Aufgrund der Witterungsverhältnisse war’s ziemlich schwül und man kam schon nach ein paar Metern ziemlich ins Schwitzen. Da die Griesheimer Strecke als sehr schnell bekannt ist, laufen hier aber sowieso sehr viele am Limit, reisen dafür sogar einige Hundert Kilometer an und dürften den zusätzlichen Schwitzfaktor „Schwüle“ weniger bemerkt haben.

 

Die 10 km-Läufer legen zwei und die Halbmarathonis vier Runden in und um Griesheim zurück, die Strecke ist zu 100% asphaltiert und brettflach. Und so dürften auch heute wieder sehr viele Bestzeiten gepurzelt sein. Vielen Zieleinläufern war das deutlich am Gesicht abzulesen, denn da wurde auf den letzten Metern mit starrem Blick auf Michael Dorschs Zieluhr gebissen, was das Zeug hält.

 

Die fetten Jahre sind in Bezug auf Sponsorengelder in Anbetracht der allgemein maroden Wirtschaftslage vorbei und auch deshalb werden keine Antrittsgelder gezahlt, der Veranstalter TuS Griesheim legt mehr Wert auf „die Breite“ der Veranstaltung, selbst die Preisgelder mußten reduziert werden (1. Platz 250 EUR, 2. Platz 150 EUR, 3. Platz 100 EUR, 4. Platz 50 EUR, identisch für Männer und Frauen). Und so kommt es, daß die Kenianer, die früher die Start- und Zielfotos beherrschten, inzwischen ausbleiben. So blieben die jetzt schon 9 Jahre alten Streckenrekorde von Joyce Chepchumba (1:11:55 h) und Simon Lopuyet (1:01:57 h) auch diesmal unangetastet. Über 10 km sind die Streckenrekorde noch nicht ganz so alt und auch unkenianischer Verursachung, aber nichtsdestotrotz mit 30:11 und 34:52 min in weiter Ferne dessen, was im Moment in Darmstadt gelaufen wird. Am ehesten dürfte wohl die Zeit der Frauen zu knacken sein, denn Lokalmatadorin Veronika Ulrich von der LG Neu-Isenburg/Heusenstamm lief letzten Sonntag in Niederrodenbach 34:32 min (und kam damit sogar eine Sekunde vorm ersten Mann ins Ziel). Heute hatte sich Veronika allerdings für die längere Strecke entschieden.

 

Als Erste erreichten natürlich die 10 km-Läufer das Ziel und die Darmstädter machten die Plätze unter sich aus. Einmal mehr war Gamachu Roba vom ASC Darmstadt der sichere Sieger. Er kam nach 31:26 min ganze 29 sec. vor Sebastian Dehmer, einem Triathleten aus den Reihen der TuS Griesheim ins Ziel. Dritter wurde der ASC Darmstädter Tobias van Ghemen, der mit seinen 33:01 min sehr zufrieden war. Noch deutlicher waren die Abstände bei den Frauen. Vera Martens aus Flörsheim, die für den TV Waldstraße Wiesbaden startet, gewann in 37:25 min in neuer persönlicher Bestzeit. Sie sieht das als gutes Omen für die am nächsten Wochenende in Bad Hersfeld stattfindenden Halbmarathon-Hessenmeisterschaften, an denen übrigens auch Tobias van Ghemen teilnehmen will. Zweite Frau war 16 Gesamteinlaufplätze später Martina Groß vom MTV Kronberg in 38:47 min. 11 weitere Männer lagen zwischen ihr und der Dritten, Martina Franke von der LG Eintracht Frankfurt. Martina war mit ihren 40:03 min auch nicht so richtig zufrieden, sie hatte sich vor ein paar Tagen mit ihren Schülern an einem Crosslauf versucht und war noch nicht wieder richtig erholt.

 

Insgesamt erreichten übrigens 330 LäuferInnen das 10 km-Ziel.

 

Ein paar mehr waren es über Halbmarathon, nämlich exakt 540. Der schnellste von ihnen: Oliver Dietz. Der für die LG Braunschweig startende Franke aus der Nähe von Würzburg setzte sich bei km 12 von seinem einzigen wirklichen Konkurrenten Terefe Desaleng ab und lief fortan ein einsames Rennen. Mit seiner neuen persönlichen Bestzeit von 1:04:47 h war er denn auch sehr zufrieden, lobte die schnelle Strecke – und könnte sich auch vorstellen, daß diese vom DLV mal zur DM-Strecke ausersehen wird. Die Griesheimer werden es gerne hören. Terefe Desaleng folgte ihm nach 1:05:28 h über die Ziellinie und auf Platz 3 kam dann ein optisches Kontrastprogramm: Erik Haß aus Zwickau, groß, blond, weißhäutig. Der Sachse war, wie auch schon 2002, mit seinem Trainer extra für diesen Halbmarathon nach Hessen gekommen. Der Tag der Einheit macht’s möglich. Befragt nach dem Störfaktor der Tatsache, daß die schnellen Halbmarathonis von hinten ins eigene Feld und das der 10 km-Läufer hineinlaufen müssen, meinte Erik, das sei kein Problem. Zwar müsse man immer mal Slalom laufen, aber das gleiche sich dadurch wieder aus, daß auf den windanfälligen Streckenabschnitten dann auch genug Windschatten vorhanden sei.

 

Von den ersten sieben Männern starteten übrigens 6 in der M20, unterbrochen wurde die Reihe nur von M45er Gerald Reimer auf Platz 5.

 

Veronika Ulrich führte die Frauenkonkurrenz vom Start weg an. Lief sie nach 2 Runden noch unter den ersten 10, reichte es ihr am Ende zu Platz 15 im Gesamteinlauf. „Frag mich jetzt lieber nix“ war ihr Kommentar, als ich nach ihrem Zieleinlauf auf sie zukam. Schon bei km 7 ging es ihr nicht mehr gut und so rettete sie sich mit 1:20:08 h als Siegerin ins Ziel, war aber mit dieser Zeit nicht zufrieden.

 

Kerstin Brünig ist heute früh um 4:30 h in Hannover aus dem Bett gekrabbelt, um mit einem Bekannten nach Darmstadt zu fahren und den Halbmarathon, von dem sie so viel Gutes gehört hatte, zu laufen. Direkt im Anschluß an die Siegerehrung setzten sich die beiden gleich wieder ins Auto und fuhren in die niedersächsische Hauptstadt zurück. Der weite Weg hat sich für sie gelohnt, den Kerstin wurde Zweite und erreichte das Ziel nach 1:24:11 h. Dritte wurde eine alte Bekannte: Regina Blatz aus Steinau, startend für den LT Wallernhausen, brauchte 1:32:46 h – und lief sich danach noch 10 km aus, um einen weiteren langen Lauf in Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon Ende des Monats verbuchen zu können.

 

„Ich geh’ mich jetzt noch 10 km auslaufen“ hörte man heute bei den Halbmarathonis öfter, nicht umsonst gilt Griesheim als sog. offizieller Vorbereitungslauf auf den Frankfurt-Marathon. Und wer den nicht läuft, versucht sich vielleicht eine Woche später an der 50 km-DM in Bottrop, wie zum Beispiel das Berkersheimer Trio Gabi Ehls, Gary Timmermann und Joachim Weigelt, die das Halbmarathonziel als Troika erreichten und dann ebenfalls noch einen 10er anhängten.

 

Bemerkenswert sind einmal mehr einige LäuferInnen aus der Liste „älteste TeilnehmerInnen“: der 80jährige Friedrich Kuhlmann erreichte das 10 km-Ziel nach 1:09:41 h. Herbert Gulla von der LG Stadt Hattersheim ist 66 und brauchte für dieselbe Strecke nur 44:19 min. Am Sonntag lief er in Berlin noch den Marathon in 3:27 h. Günter Schulz ist 73 Jahre alt – und brauchte nur 1:49:45 h für den Halbmarathon. Die 63jährige Hannelore Kirchem vom TSV Eschollbrücken lief gar als vierte Frau überhaupt nach 1:37:41 h ins Ziel über 21,1 km. Die älteste Frau auf der 10 km-Strecke war Helga Schumacher von Spiridon Frankfurt, die als 65jährige mit 53:03 min noch insgesamt 87 Leutchen hinter sich ließ.

 

Die Ergebnisse gibt’s ausnahmsweise mal nicht bei Michael Dorschs www.volkslauf.de, sondern direkt beim Veranstalter unter

 

http://www.tus-griesheim.de/resul-halb-2003.htm

 

Das Datum für den 34. Griesheimer Straßenlauf ist gut zu merken: 03.10.2004

für laufreport im Oktober 2003