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Laß Dich überraschen |
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Der 13. Ultramarathon in Pfungstadt-Eschollbrücken war (auch) eine Veranstaltung der Überraschungen. Zuerst war ich morgens überrascht, als ich den umtriebigen Mittelpunkt der Organisation vor mir sah: Manfred Kraft hatte unter seiner Kappe einen langen, dünnen Zopf und sah so mehr wie ein Trapper denn wie ein Läufer aus. Noch größer war meine Überraschung, als ich ihn anläßlich der Siegerehrung ohne Kappe sah – und ohne Zopf. Der war nämlich unecht und ein Anhängsel an die Kappe. Überraschend auch die wirklich umfangreiche Verpflegung an der Strecke und im Ziel: Kekse, Schokolade, Obst, Wasser, Apfelschorle, Cola, Malzbier und Tee – dazu am Zielverpflegungstisch noch Schokolade, diverse Riegel, Kaubonbons und Gummibärchen. So stellt man sich runner’s heaven vor! Gar nicht himmlisch waren die Temperaturen, als die knapp 90 50 km-LäuferInnen am frühen Morgen auf die Strecke geschickt wurden. Gerade war ja in der Nacht die Uhr umgestellt worden, so daß es eigentlich noch 8 h war, als die Uhr schon 9 zeigte. Die Wiesen waren noch gefroren, das Thermometer dürfte die 0 noch nicht erreicht haben – aber zumindest die Sonne zeigte sich schon und ließ vermuten, daß sie doch im Laufe des Tages noch ein wenig arbeiten würde, um es den LäuferInnen schön zu machen. Für die 50 km muß man die 5 km-Runde 10x durchlaufen. Raus geht’s aus dem Stadion, dann scharf rechts, nach 100 m gleich wieder links und nach einer kurzen Steigung gleich wieder links hoch auf den Damm, der ein kleines Waldstück umschließt, in dem es schon mächtig grünte und blühte. Der Frühling zeigte sich von seiner besten Seite. Bei km 2 kommt man wieder vom Damm runter und ab in den Wald. Ab jetzt wechselt das Streckenoutfit zwischen Wald und Feld, bis man dann etwa bei km 4,5 wieder den Sportplatz erreicht. Um die (exakt vermessenen) 5 km voll zu bekommen, geht’s nun ¾ Runde um das Fußballfeld rum, dann diagonal drüber, scharfer Rechtsknick und entlang der Tribüne bis zur Start-Ziel-Linie bei km 5. Der Belag? 0% asphaltiert, gut befestigt, aber an manchen Stellen schon ein bißchen holprig. Herausstehende Wurzeln oder Steine wurden vom Veranstalter mit Kreide sehr gut markiert und waren nicht zu übersehen. In der ersten Runde lag Christian Messerschmidt von der LG Offenbach vorne, nach der 2. Runde kam er mit ein paar Metern Abstand zur Führungsgruppe wieder im Stadion an: menschliche Bedürfnisse und ein offener Schnürsenkel hatten zwei Notstopps erforderlich gemacht. Schon bald lag er wieder vorne, bis Marathon lief’s bei ihm sehr gut. Dabei hatte er sich vom Feld verleiten lassen, so schnell zu laufen, eigentlich wollte er gar nicht so schnell. Auf den letzten Kilometern war der für den TV Dieburg startende Pole Ryszard Silakowsky nicht mehr zu halten und nahm seinen Verfolgern noch 5 min ab. Silakowsky brauchte 3:31:32 h für die 50 km und lief am Ende sogar noch über die falsche Ziellinie, nämlich die Durchlauflinie für diejenigen, die in die nächste Runde mußten. In der gemischt genutzten Umkleidekabine im Stadion zeigte er sich sehr zufrieden mit seinem Sieg. Christian Messerschmidt war nach 3:36:26 h am Ziel angekommen. Während er in Eschollbrücken durch die Landschaft lief, versuchte eine Bekannte, ihm eine Startnummer für den London-Marathon zu ersteigern, scheiterte aber in den letzten Sekunden mit nur 50 Cent. Jetzt wird Christian in Mannheim laufen, angemeldet ist er sowieso schon. Dritter im Bunde war nach 3:36:48 h Tobias Winter, der nach wie vor für seinen oberpfälzischen Heimatverein TB Weiden startet, obwohl er da gar nicht mehr wohnt. Am Start war auch Sigurd Dutz vom Ultra-Sportclub Marburg. Für ihn kam die 100 km-DM in Kienbaum zu früh im Jahr und so hatte er sich für den Pfungstädter 50er entschieden, der mit in die DUV-Cupwertung eingeht. Als Gesamt-12. war Sigurd mit 3:56:26 h nur 3. in der leistungsstarken M50, seine direkten Konkurrenten Reinhold Krenz (TV Haibach) und Götz Siegbert (TG Groß-Karben) liefen auf den Plätzen 9 und 11 direkt vor ihm über die Ziellinie. Eine weitere Überraschung des Tages war der Gesamtsieg bei den Frauen für Angela Ngamkam. Die schnelleren angetretenen Frauen hatten die 50 km alle nicht beendet und so konnte Angela mit einer Zeit von 5:10:57 h den Pokal mit nach Hause nehmen. Weil sie es selbst nicht glauben konnte, wurde sogar erst die Siegerehrung der Männer vorgezogen und die Frauenergebnisliste nochmals überprüft. Aber es blieb dabei: Angela, die bei Strecken über 45 km immer vor ihrem Lebensgefährten Edgar Kluge ins Ziel kommt, war und blieb die dann doch noch breit strahlende Siegerin. Marion Potschka-Hermann, Ergotherapeutin aus Bad Bergzabern, wollte eigentlich in Kienbaum starten, hatte dann aber Anfang März erhebliche Ischiasbeschwerden und war so nicht fit genug für die 100 km. Aber die Hälfte ging dann doch. Marion empfand den Lauf in Eschollbrücken viel härter als Rodgau vor 2 Monaten – aber hier wurde sie mit 5:30:28 h nicht nur Siegerin der W50, sondern hinter Angela Ngamkam Zweite in der Gesamtwertung. Rosemarie Götz, die ebenfalls in der W50 läuft, kam nur 55 sec. hinter Marion auf Platz 3. Ins Ziel kamen am Ende 60 von ursprünglich 88 gestarteten TeilnehmerInnen. Zwei Stunden nach den Langläufern wurden um 11 h die Halblangläufer auf dieselbe Strecke geschickt, die sich jetzt richtig belebte. Hier kamen 226 ins Ziel, so um die 250 dürften gestartet sein. Bei den Männern machte von Anfang an Christian Alles aus Schriesheim alles klar und damit seinem Namen alle Ehre. Nach einem grippalen Infekt fehlten ihm ein paar Kilometer und so kam er nach Eschollbrücken, um einen lockeren Trainingslauf zu absolvieren, bevor es übernächste Woche ins Trainingslager geht. Christian ist eigentlich 3000 m-Hindernisläufer, also auf der Bahn und der Mittelstrecke zuhause. Mit seiner 1:30:21 h war er zwar muskulär am Limit, von der Luft her hätte er dieses Tempo aber noch stundenlang weiterlaufen können. Im Ziel freute er sich über seinen Sieg – und die Gummibärchen am Verpflegungsstand. Platz 2 war hart umkämpft, einige Zeit sah es so aus, als ob er zwischen Helmut Marenholz und Markus Krempchen ausgemacht würde, aber auch Jürgen Zehnder war nicht allzu weit hinter den beiden. Am Ende konnte er auf- und überholen und erreichte den Zielstrich nach 1:31:43 h – klar, er muß ja auch schnell wieder an den Schreibtisch zurück, um zu lernen. Markus Krempchen war letztlich in 1:32:22 h Dritter – eine Plazierung, von der die Fußballer seines Vereins, dem 1. FC Kaiserslautern, nur träumen können. Überraschender Sieger der M35 wurde Gernot Giels von passtschon98. Auf dem 9 Einlaufplatz meinte er, in der immer und ewig voll besetzten M35 doch maximal 5. oder 6. geworden zu sein und blieb deshalb nicht zur Siegerehrung. Die 8 vor ihm waren aber alle M30er und M40er. So kann’s gehen... Der älteste Teilnehmer war Kurt Wührer von der TuS Griesheim. Kurt ist Jahrgang 1930 und ließ mit 2:18:59 h als 187. noch 40 teilweise deutlich jüngere LäuferInnen hinter sich. Deutlich spannender war das Frauenrennen über 25 km. Anfänglich lief Regina Blatz der Konkurrenz auf und davon und war überrascht, als sie in der vierten Runde plötzlich den heißen Atem von Sonja Rapp im Nacken spürte. Die beiden lieferten sich dann bis km 24 ein Kopf-an-Kopf-Rennen, dann mußte Regina die 17 Jahre Jüngere ziehen lassen. Sonja, die für ihren Arbeitgeber Polar am Start war, kam nach 1:50:23 h 4 Gesamtplätze bzw. 34 sec. vor Regina ins Ziel, die damit ganze10 min schneller war als noch 2003. Die Augsburgerin, die seit Dezember 2002 berufsbedingt im Rhein-Main-Gebiet wohnt, hat erst am Vortag bei einer Tempoeinheit im Lauftreff vom Eschollbrückener 25er erfahren. Da ihr für den anstehenden Hamburg-Marathon noch ein paar Trainingskilometer fehlten, hat sie sich kurz entschlossen nachgemeldet, wollte wirklich nur ein Lockerläufchen absolvieren. Aber wie das so ist mit den Plänen und dem Ehrgeiz: als sie die bis dahin auf Platz 2 liegende Karin Risch überholt hatte und dann Regina vor sich sah, war’s um ihre guten Trainingsvorsätze geschehen. Für Hamburg hat sich wegen fehlender tatsächlicher Marathonvorbereitung keine allzu großen Pläne, möchte gerne irgendwo zw. 3 ½ und 4 h ins Ziel kommen. In Berlin ist sie 2003 noch 3:23 h gelaufen, hatte sich dafür aber auch mit einem 3-Monats-Trainingsplan vorbereitet. Auch Karin Risch, W55erin und für den veranstaltenden TSV Eschollbrücken-Eich startend, leidet momentan ein bißchen unter Trainingsmangel, weil der Umzug viel Zeit und Einsatz erforderte. Und so war sie mit ihren 1:53:45 h vollauf zufrieden. Für sie steht als nächstes die Hess. Berglaufmeisterschaft auf dem Programm: am 18. April zieht es sie von Oberursel hoch auf den Großen Feldberg. Der nächste Ultramarathon in Eschollbrücken findet am 20. März 2005 statt – vielleicht ist auch dann die rhein-main-regionale Ultraszene wieder so zahlreich vertreten. Und ganz sicher werden auch die Murrtalläufer aus der Nähe von Ludwigsburg wieder im Dutzend oder zahlreicher erscheinen. Für sie gehört Eschollbrücken fest ins Jahresprogramm, inzwischen läuft der größte Teil der Gruppe auf der halben Strecke, ein paar Unverwüstliche nehmen alljährlich den 50er unter die Füße. http://www.tsv-eschollbruecken-eich-la.de/
für laufreport im März 2004
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